perpetuum novile
Anlass zur Gründung…
…der perpetuum novile Schulprojekt gGmbH war das Stallbauprojekt in Eichstetten am Kaiserstuhl. Im Jahre 1998 wandte Christian Hiss (www.regionalwert-ag.de) sich an mich mit dem Anliegen, den geplanten Bau eines Rinderstalls zum Ausgangspunkt schulischen Lernens zu machen. Daraus entstand ein Projekt mit einer zweieinhalbjährigen Laufzeit. Am Ende hatten etwa 140 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt sieben Schulen an der Verwirklichung des Stallbaus inklusive der Planung einer Käserei mitgewirkt. Unter ihnen waren 19 Schülerinnen und Schüler des Humanistischen Gymnasiums in Freiburg, die ihren Seminarkurs – und damit einen Teil ihrer Abiturprüfung – mit dem Thema „Kulturgut Käse“ bestritten hatten.
Mit Hilfe des Unternehmensberaters Christian Czesla (www.czeslasiebecktietgen.de) wurden in kurzer Zeit die für die Gründung notwendigen Gesellschafter gefunden und mit Beurkundung vom 9.September 1999 wurde perpetuum novile als gemeinnützige GmbH notariell beglaubigt.
Schon während des Stallbauprojektes reifte der Entschluss, die Arbeit über dieses Pilotvorhaben hinaus fortzusetzen und die Gesellschaft auch in Zukunft als Mittel für Veränderungen im Bildungsbereich einzusetzen.
Neue Prüfungsformen, wie sie das Kultusministerium im Rahmen zentraler Abschlüsse eingeführt hatte, waren bereits mit dem Seminarkurs (s.o.) in das Pilotprojekt integriert worden und sollten weiterhin als Ansatz dienen, um eine Brücke zwischen dem Leben außerhalb und innerhalb der Schule zu bauen. In den Folgejahren wurden Hauptschulen in Baden-Württemberg zu Projektpartnern. Die dort neu eingerichtete Projektprüfung bildete den Ausgangspunkt für eine Zusammenarbeit.
In 2003 waren es zunächst fünf Schülerinnen und Schüler einer Stuttgarter Hauptschule, die die Mitwirkung an der Renovierung eines Altersheimes zum Inhalt ihrer Projektprüfung machten. In 2004 folgten 15 Schülerinnen und Schüler, die durch die Teilnahme an der Renovierung eines Bürogebäudes in Stuttgart in die Fußstapfen ihrer Vorgänger traten.
Aufgabe der Gesellschaft war es jeweils, einen Auftrag zu suchen, schulische Partner zu finden, das Projekt zwischen Wirtschaft und Schule zu konzipieren, zu organisieren und zu finanzieren. Die Projekte in 2003/2004 etwa wurden finanziell von der Robert Bosch Stiftung gefördert.
In 2003 eröffnete sich eine neue Perspektive. Durch Kontakte mit der (damals noch so genannten) DaimlerChrysler AG wurden in den Folgejahren Jugendliche zur Zielgruppe, die durch unser einseitig auf Selektion hin ausgerichtetes Bildungssystem an den Rand gedrängt und zu „Risikoschülern“ degradiert werden. Meist landen sie bruch im Berufsvorbereitungsjahr und haben es von dort aus schwer, den Sprung in die Ausbildung zu schaffen. Die Idee entstand, diesen jungen Leuten einen höherwertigen Ausbildungsplatz anzubieten und ihnen durch ein Projekt und das, was sie darin von sich zeigten, die Chance zu geben, an ihrer schlechten Durchschnittsnote vorbei einen Ausbildungsplatz zu erhalten.
Die Neuen Wege in die Ausbildung wurden konzipiert und in den Jahren von 2004 bis 2007 in Mannheim begangen. In 2006/2007 wurde das Projekt in Karlsruhe in Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsjunioren organisiert und mit den Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.
Bereits im Jahr 2000 hatte sich ein weiteres Arbeitsfeld eröffnet, das bald schon Schnittmengen mit den bisher durchgeführten Projekten aufweisen sollte. Durch Kontakte mit dem Oberstufenkolleg in Bielefeld, mit dem Pädagogen und wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Felix Winter geriet die Portfolioarbeit in das Zentrum des Interesses.
Zu diesem Zeitpunkt bereits erschien die Prognose realistisch, dass die Portfolioarbeit, wie sie in den 80er Jahren in Amerika entstanden und in den 90er Jahren in Schweden rezipiert worden war, nunmehr ihren Einzug in die deutschsprachigen Länder Europas halten würde. Dabei zeichnete sich ab, dass den innovativen Begriff ein Schicksal ereilen würde, das so mancher Vorgänger bereits erlitten hatte: schillernd und unscharf zu bleiben und sich durch inflationären Gebrauch abzunutzen, noch bevor er die Chance erhielte, sein ihm eigenes Potenzial zu entfalten.
Die Idee eines Netzwerkes entstand. Die Pioniere dieser Arbeit aus Schule und Hochschule sollten rechtzeitig miteinander in einen Austausch treten können mit dem Ziel, Portfolioarbeit im Sinne einer geklärten Vielfalt in der Praxis handhaben zu lernen. Regelmäßig wurden Tagungen veranstaltet und mit Veröffentlichungen Einfluss genommen auf die Diskussion und schulische Praxis. (www.portfolio-Schule.de)
Im Jahre 2007 brachen die Bemühungen um die Neuen Wege in die Ausbildung plötzlich ab. Trotz des Erfolges mit dem Pilotprojekt in Karlsruhe fanden sich im Folgejahr nicht genügend Firmen, die bereit waren, Ausbildungsplätze in das Projekt einzustellen. Bildete ein Trendwechsel in der Wirtschaft die Ursache? War der Ruf nach Verantwortlichkeit jedes einzelnen Mitarbeiters, der eine Orientierung am Potenzial junger Menschen ermöglicht hatte, bereits dabei zu verklingen?
Eine strategische Umorientierung schien erforderlich, wenn das Leitbild der Gesellschaft, „das Verständnis junger Menschen für wirtschaftliche Vorgänge und das Verständnis von Unternehmen für die Impulse junger Menschen“ (Auszug aus dem Gesellschaftsvertrag) in Zukunft noch wegweisend sein sollte.
Bislang hatte das Projekt die Brücke zwischen Schule und Leben gebildet, in Zukunft soll das Portfolio sich als die nachhaltigere Form erweisen.
In 2008/2009 wird von der perpetuum novile gGmbH ein Forschungsprojekt initiiert und in Kooperation mit dem Institut für Produktives Lernen (www.iple.de) am Standort für Produktives Lernen in Bad Doberan realisiert.
Das Projektteam wollte herausfinden, was geschieht, wenn junge Menschen ihr Produktives Lernen – ihr Handeln in Ernstsituationen – zum Gegenstand systematischer Reflexion erheben. Die Verantwortlichen wollten wissen, ob das Verständnis für die eigenen Lernprozesse sich dadurch vertiefen lässt, dass es für andere einsehbar gestaltet wird.
Auf dem Forum für Produktives Lernen im Schweriner Schloss werden die Ergebnisse des Pilotprojektes am 6.,7. November 2009 der Öffentlichkeit präsentiert.
In 2008 reift der Entschluss, mit einem eigenen Produkt aufzutreten, das als Individualisierender Kompetenznachweis, Indi-Ko, dazu dienen soll, im Spannungsfeld zwischen äußeren Leistungsnormen und persönlichen Lerninteressen den nötigen Ausgleich herzustellen und die Brücke zwischen schulisch-formalem Lernen und der Arbeit an der eigenen Berufsbiographie nachhaltig zu bauen.
In Zusammenarbeit mit der Firma Bindewerk GmbH & Co KG (www.bindewerk.de) wird die Mappe kreiert. Von der Sedulus GmbH wird sie ab Januar 2010 vertrieben. (www.sedulus.de).
Ein Projekt zur Einführung in die Arbeitsweise mit dem Individualisierenden Kompetenznachweis wird konzipiert.
In 2009/2010 bereits wird Schülerinnen und Schülern die Chance, sich als Subjekt ihrer Bildungsbemühungen zu erleben, mit schulischen Partnern aus dem Verbund der Sießener Schulen realisiert (www.siessener-schulen.de) Am 16. März findet in der Mädchenrealschule St. Elisabeth in Friedrichshafen eine öffentliche Präsentation statt. 30 Teilnehmerinnen aus der 8. und 9. Klasse stellen ihr Kompetenzportfolio Eltern und Vertretern regionaler Wirtschaftsunternehmen vor. Ein Film über die öffentliche Präsentation entsteht und wird im Juni 2010 fertig gestellt.
Ebenfalls in 2009/2010 wird das Pilotprojekt am Standort für Produktives Lernen in der Regionalen Schule am Kamps in Bad Doberan weiter geführt. Zur Präsentation der Kompetenzportfolios durch die Teilnehmer am Freitag, den 2. Juli werden Vertreter regionaler Wirtschaftsunternehmen eingeladen.
Im Auftrag des Bildungsministeriums in Luxemburg hat im März 2010 die Zusammenarbeit mit dem Lycee Technique in Ettelbruck begonnen, mit dem Ziel einer Einführung des Kompetenzportfolios.
In der Schweiz (an der Rudolf-Steiner-Schule in Kreuzlingen) findet das Projekt „Kompetenzportfolio“ zwischen März bis Juni 2010 statt.
In Österreich wird derzeit die Zusammenarbeit mit 12 Projektschulen angebahnt, die im Auftrag des Ministeriums neue Wege in der Berufsorientierung gehen.
Als Perspektive zeichnet sich ab, dass „das Verständnis von Unternehmen für die Impulse junger Menschen“ (Auszug aus dem Gesellschaftsvertrag) durch den Individualisierenden Kompetenznachweis, Indi-Ko, nachhaltig geweckt werden kann und der entscheidende Ansatzpunkt gefunden wird, dass im Zeitalter der Individualisierung jeder Einzelne sich tatsächlich als Subjekt seiner Bildungsbemühungen erleben kann.